Fairplay im Alltag 42-2016 – Gedächtnislücken

ksta_18-10-2016_gedaechtnis1„Weißt Du noch?“ – Das Leben eines Menschen besteht aus zahllosen Erinnerungen, die ihm Erfahrung und Leitfaden für sein Handeln sind. Sehr interessant ist jedoch, was moderne Gehirnforschung behauptet: „Erinnern ist Trainingssache“ lautet eine Erkenntnis, „das Gehirn speichert nicht die Realität, sondern nach Bedeutung“, eine andere. Demnach sind Gedächtnislücken quasi vorprogrammiert.

ksta_18-10-2016_gedaechtnis3Neben einer aktuellen Buchbesprechung zu „Das geniale Gedächtnis“ von Hannah Monyer und Martin Gessmann hat der Kölner Stadt-Anzeiger in seinem Magazin jüngst auch Gehirnveränderungen während der Pubertät thematisiert (22. Oktober 2016). Grundsätzlich unterliegt das Gehirn ebenso wie der gesamte Körper einem Alterungsprozess. „Jedoch ist der Unterschied signifikant, ob man zehn Prozent von viel oder zehn Prozent von wenig verliert.“, heißt es im Beitrag „Vergessen Sie die Vergesslichkeit“ (vom 18. Oktober 2016).

In der Kindheit wird das meiste Wissen und Können im Gehirn angelegt. Kinder aus „bildungsfernen“ Familien, die ein Jahr lang Nachhilfeunterricht erhalten, schließen problemlos zum sogenannten „Bildungsbürgertum“ auf. Entscheidend für die Entfaltung des immensen Gedächtnis-Potenzials sind jedoch die persönliche Neugier und die Bereitschaft, sein Gehirn selbst zu füttern.

ksta_18-10-2016_gedaechtnis2Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die Feststellung, dass das Gehirn niemals „die eine Realität“ speichert, sondern Wahrnehmungen, die aus der eigenen Erfahrung heraus bevorzugt bewertet werden. Als Beispiel wird die Situation einer Straßenüberquerung mit Geräuschen, Gesprächsfetzen, vielleicht Musik, mit Menschen, Tieren und Fahrzeugen auf der Fahrbahn oder in der Luft, mit Berührungen und eigenen Körperwahrnehmungen wie Kälte, Wärme, Wind, u.s.w. herangezogen. Wenn nun ein Unfall passiert, ist es kein Wunder, dass jede Zeugin und jeder Zeuge etwas anderes gesehen haben will und gesehen hat.

Die Beurteilung hängt einerseits davon, was jeder von uns in der Vergangenheit erlebt hat, andererseits davon, wie gut geübt wir sind in der Nutzung unseres Gedächtnisses, und besonders in der Wahrnehmung von Situationen – und zuletzt auch davon, in welchem Alter und in welcher Lebensphase wir uns befinden. In der Pubertät etwa wächst die weiße Gehirnsubstanz und steigert die „Rechenleistung“ des Gehirns“ um das 3000-fache (!), wobei einzelne Regionen des Gehirns schneller oder langsamer reifen.

ksta_22-10-2016-gehirn-pubertaetBewegungssteuerung ist schneller abgeschlossen als räumliche Orientierung, diese wiederum schneller als zeitliche Orientierung. Zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr geht die Empathie zwischenzeitlich um bis zu 20 Prozent zurück. Bis der Stirnlappen als „Schaltstelle der Besonnenheit“ ausgereift wird, wird häufig das 20. Lebensjahr überschritten. Wichtig sind diese Erkenntnisse im Alltag – und wenn es um Fairplay geht – bei der Beurteilung von Situationen, in die zwei oder mehr Personen involviert sind.

Zum Einen muss uns immer klar sein, unsere Wahrnehmung weichen stark voneinander ab, noch stärker weichen jedoch die Bewertungen dieser Wahrnehmungen voneinander ab. Zum Anderen geht es darum, für die eigenen Handlungen Verantwortung zu übernehmen, was wir bis zum Alter von mehr als 20 Jahren offensichtlich nicht voraussetzen können. Die Einübung entsprechender Verantwortlichkeit lässt sich – wie alle anderen Gedächtnis- und Gehirnleistungen auch – trainieren.

SOTG_Be-Fair-MindedIch wähle dazu das Modell des Teamsports Ultimate Frisbee, der ohne externe Schiedsrichtende auskommt, und die Beteiligten an strittigen Situationen zu einer Bewertung und einer gemeinsamen Vereinbarung auffordert, wie die Situation zu lösen ist. Der Teamsport hat ein Fairplay-Konzept, das fünf Grundprinzipien enthält, die fürs ganze Leben praktisch anwendbar sind: Regelkenntnis, Respektvolle Kommunikation, Vermeiden von Fouls und Gewalt, eine empathische Fairplay-Einstellung und Freude. An dieser Stelle geht es vor allem um den vorletzten genannten Bereich.

Bei Interesse an entsprechenden Vorträgen oder Workshops kontaktieren Sie mich bitte.

24. Oktober 2016 von JoergBenner
Kategorien: Mitarbeiter-Wissen, Verantwortung | Schreibe einen Kommentar

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