Agiles Coaching öffnet Räume – Reizwort

Agiles Coaching öffnet Räume

In einer Besprechung auf heise.de beschäftigt sich Michael Müller mit dem Buch „Agiles Coaching – Die neue Art Teams zum Erfolg zu führen“ von Judith Andresen. Was aber ist das Besondere an agilem Coaching?

Agilität ist ein Reizwort der Organisationsentwicklung, das seine Ursprünge in der Software-Entwicklung hat. Das Agile Manifest von 2001 stellt Grundsätze der Zusammenarbeit in Teams und mit Kunden auf, die sich auf das gesamte Unternehmen anwenden lassen.

Haltungen, Sichtweisen und Einstellungen

Agilität bedeutet anderen Aussagen zufolge einen Paradigmenwechsel, bei dem es um Haltungen, Sichtweisen und Einstellungen geht. Das heißt, wenn wir Agilität anstreben, üben wir nicht einfach eine neue Methode oder ein anderes Verfahren ein. Benötigt werden ein Diskurs und Offenheit, was nicht unbedingt zur vorherrschenden Unternehmenskultur gehören muss.

Demgemäß geht es bei agilem Coaching darum, für das betreffende Unternehmen und seine Mitarbeitenden entsprechende Türen zu öffnen, die sie beim Durchschreiten selbst in die Lage bringen agil zu agieren. Mittels Verordnung einzelner Maßnahmen lässt sich aber keine neue Kultur durchsetzen. Das ist das eine häufig anzutreffende Missverständnis, wenn es um die Frage geht, wie ein Unternehmens befähigt werden kann Veränderungen zu gestalten.

Agilität als Nährboden für Kultur

Neuen Herausforderungen – etwa in disruptiven Märkten, getrieben durch die vielbeschworene digitale Transformation – ist mit neuen Denk- und Arbeitsansätzen zu begegnen. Kultur aber lässt sich nicht proklamieren, sie kann nur gemeinsam erarbeitet und angewandt werden, worauf auch an anderer Stelle hingewiesen wurde. Das andere weit verbreitete Missverständnis ist: Kultur kann nicht als Voraussetzung für Agilität gelten. Vielmehr ist Agilität ein Nährboden für Kultur!

Vor diesem Hintergrund kristallisieren sich folgende Eckpunkte eines agilen Coachings heraus:

  • Das Ermöglichen der Zusammenarbeit in projektbezogenen Teams,
  • die sich selbst eigenständig bestimmen und verwalten,
  • bei flachen Hierarchien sowohl in den Teams als auch im Management.
  • Ein Coach ist nicht Trainerin oder Trainer,
  • sondern stellt passende Fragen und eröffnet Lösungsräume, ohne jedoch eine Lösung vorzugeben.

Öffnendes Verhalten als transformationale Führung

Dieses öffnende Verhalten fördert die Kreativität, weckt die Neugier und begünstigt dank einer offenen Fehlerkultur eine freie Entfaltung. Diesem in der Metapher der „beidhändigen Führung“ als transformationale Führung bezeichneten Prinzip (die rechte Hand) steht als transaktionale Führung ein schließendes Verhalten entgegen (die linke Hand). Das ist dazu geeignet geordnete Abläufe und Routinen möglichst fehlerfrei zu etablieren, um Ideen in die Realität umzusetzen.

Bei agilem Coaching geht es auch, aber weniger um das Erlernen und Anwenden bestimmter Fertigkeiten wie der Plan-Do-Check-Act-Zyklus (nach Deming und Shewhart) oder Retrospektiven. Vor allem aber geht es – wie oben schon gesagt – um Haltungen, Sichtweisen und Einstellungen. Dabei wird immer wieder deutlich, dass Agilität zum Großteil vom Thema Führung abhängt. Die Art und Weise der Führung vermittle ich dabei über die Sportart Ultimate Frisbee.

Servant Leadership mit Metalampe

Eine sinnvolle, unterstützende Grundhaltung im Management kann „Dienen“ genannt werden, neudeutsch „Servant Leadership“, bei anhaltender Reflektionsfähigkeit, die angestoßenen Prozesse zu hinterfragen und im Fluss zu halten. Dazu ist es nötig häufiger auch mal die „Metalampe“ einzuschalten und die Angemessenheit der zur Verfügung stehenden Werkzeuge und Vorgehensweisen zu prüfen.

Genau dieses Vorgehen kommt auch im agilen Coaching zum Tragen. Schon bevor ein Auftrag angenommen werden könne, müsse erst die genaue Aufgabenstellung geklärt sein, heißt es. Zudem sei diese im weiteren Verlauf dauernd zu überprüfen und nachzujustieren.

So wie beim Einschalten der Metalampe ist auch der Wechsel in eine Beraterrolle – sofern erforderlich – und wieder zurück, klar zu verdeutlichen. Die Haltung des Coaches soll empathisch, aber auch distanziert sein. Sie oder er soll in der Lage sein, genau zu beobachten, passende Schlüsse ziehen und den besagten Lösungsraum zu öffnen.

Michael Müller charakterisiert den Schreibstil von Judith Andresen als nicht mitreißend, Lesende würden aber „mit einem ordentlichen Informationsgewinn belohnt“. Das Buch „Agiles Coaching – Die neue Art Teams zum Erfolg zu führen“ ist 2018 im Verlag Hanser erschienen, hat einen Umfang von XVII und 389 Seiten und kostet 32 Euro (ISBN 978-3-446-45168-1).

04. Juni 2018 von JoergBenner
Kategorien: Mitarbeiter-Wissen, Verantwortung | Schreibe einen Kommentar

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