Ultimate fördert Eigenverantwortung

Die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, ist ein Schlüssel für unseren Erfolg. Das gilt sowohl gesamt-gesellschaftlich als auch im Arbeitsleben. Der Teamsport Ultimate Frisbee liefert eine einzigartige Grundlage für entsprechende Gesprächsführung und die Übernahme persönlicher Verantwortung. Von Jörg Benner.

Bei der Arbeit stehe ich im Kontakt mit Kundinnen und Kunden, mit Mitarbeitenden und mit Vorgesetzten. Mein berufliches Wohlergehen ist mit demjenigen des Unternehmens verknüpft, und dieses hängt wiederum maßgeblich davon ab, wie zufrieden die Kundinnen und Kunden sind. Dabei ist neben dem Produkt oder der Dienstleistung der Umgang miteinander entscheidend.

Unser wahres Gesicht zeigt sich, wenn wir mit Menschen sprechen, die nicht derselben Meinung sind. Wie wir einander zuhören und dazu in der Lage sind unsere Perspektive zu verlassen, und wie wir erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Ultimate Frisbee steht in diesem Zusammenhang als Modell für einen gelingenden Diskurs und für übernommene Verantwortung.

Teamsport ohne Schiedsrichtende als Modell

Wenn wir betrachten, wie der Teamsport Ultimate Frisbee funktioniert, können wir uns eine Kombination aus American Football (mit Endzonen) und Basketball (Laufwege nach Körpertäuschungen und Sternschritt) vorstellen. Ultimate ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten weltweit, der Weltverband hat 2015 dauerhafte Anerkennung des IOC erhalten und daher könnte Ultimate bereits 2024 in Paris in die olympischen Sommerspiele aufgenommen werden.

Deutschland ist unter den besten acht Nationen weltweit und möchte sich 2020 für die nächsten World Games (Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten) 2021 in den USA qualifizieren. Im Beach Ultimate war das deutsche Mixed Ultimate-Nationalteam bereits zweimal Weltmeister, auch die deutschen Jugend-Nationalteams sind sehr gut aufgestellt und haben bereits zahlreiche Europameistertitel gewonnen.

Selber spiele ich seit 30 Jahren Ultimate, wurde Deutscher Meister und Vize-Clubweltmeister. Seit sieben Jahren bin ich als Jugendtrainer in Köln aktiv und leite mehrere Dutzend Jugendliche an, nicht nur, was Athletik, Technik und Taktik des Spiels betrifft, sondern auch in Hinblick auf das einzigartige Element, dass ohne externe Schiedsrichtende gespielt wird. Diese Erfahrung steht denjenigen in den meisten anderen Sportarten gegenüber, wo Spielende sich darauf verlasen, dass eine höhere Instanz alles regelt. Dort gehört oft das Ausreizen des Erlaubten und bewusstes Einsetzen von Fouls dazu.

In strittigen Situationen Eigenverantwortung einüben

Umgekehrt reicht das Prinzip der Eigenverantwortung im Ultimate von Freundschaftsturnieren über nationale bis hin zu internationalen Entscheidungen und bestimmt und fordert das Verhalten auf dem Spielfeld. Die Spielenden sind dafür verantwortlich, strittige Situationen zu benennen und unter Hinzuziehen der direkt Beteiligten selbst zu regulieren beziehungsweise aufzulösen. Externe mutmaßen oft, dass dies nicht mehr funktioniere, wenn es um etwas gehe. Zugegeben, es gibt immer mal wieder Schwierigkeiten mit Einzelnen, die gegen die Regeln verstoßen.

An der Konfliktlösung im Ultimate kann die Fähigkeit zur Eigenverantwortung in Verbindung mit hoher Wettbewerbsorientierung hervorragend vermittelt werden. Als Bedingungen dafür werden eine Reihe von grundlegenden Anforderungen an den Umgang miteinander genannt.

Teilaspekte sind Regelbewusstsein, Ehrlichkeit, Respekt, Selbstständigkeit, das Eingeständnis von Fehlern und das Anerkennen von Leistungen sowie die Abwesenheit von Feindseligkeit und der kooperative Umgang mit Konflikten. Dies steht für eine besondere Teamkultur. Dabei bewegen sich alle Spielenden auf derselben Ebene und bedienen sich dazu einer zielführenden Kommunikation. Eine sehr angenehme Atmosphäre während des Spielens, beziehungsweise auch während der Arbeit, gehört zu den erfreulichen Nebenwirkungen.

Masterthesis belegt sozio-ökonomischen Nutzen

Der angehende Organisationspsychologe Jan Ziegler hat in seiner Masterthesis belegt, dass die Konfliktlösung im Sport Ultimate Frisbee das spätere Sozialverhalten der Spielenden im Berufsleben beeinflusst und einen hohen sozio-ökonomischen Nutzen für Betriebe haben kann. Demnach ist Ultimate von großem Nutzen, um eine innere Haltung der Fairness zu trainieren, die ein großes Potenzial zur einvernehmlichen Konfliktlösung in Betrieben beherbergt. Üblicherweise gibt es im Berufsleben weder festgelegte Verfahrensweisen noch Zeitvorgaben für die Kompromissfindung.

Ultimate ist als ein komplexes Instrument für eine Konfliktbewältigung im Arbeitsalltag zu verstehen, die vor allem auf Gemeinschaft, Fairness und Kooperation basiert. Dazu sind im ersten Schritt im jeweiligen Unternehmen die genau passenden Spielregeln festzulegen. Daneben führt der Weg zu einer Kultur der Fairness über ein Verinnerlichen der zugrunde liegenden sozialen Werte und Ziele. Für diesen unter Umständen langwierigen Prozess zur Vermittlung eignen sich ausdrücklich auch Betriebssportgruppen. Bei mir trägt das Programm den Namen „Flying Disc Empowerment“.

Bei Interesse ist zu klären, wie es im Einzelnen in einem Betrieb adaptiert und umgesetzt werden kann, oder ob sich das Unternehmen aufgrund einer stark hierarchischen Ausrichtung aktuell möglicherweise nicht dafür eignet. Denn die Umsetzbarkeit von Ultimate in Betrieben hängt offenbar stark von Arbeitsbedingungen und Hierarchie ab. Dabei ist das Ziel des selbstständigen Arbeitens jedoch nicht gleichzusetzen mit der Abschaffung von Hierarchie. An die Stelle der Weisungsbefugnis treten hingegen Expertise, Vertrauen und Verständigung. Bei Interesse kontaktieren Sie mich bitte!

03. August 2018 von JoergBenner
Kategorien: Mitarbeiter-Wissen, Soziales Netzwerken, Verantwortung | Schreibe einen Kommentar

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